Wie in jedem Jahr eröffnete der 1. Vorsitzende des Vereins am Samstagmorgen die Tagung mit der Vorstellung der Agenda, den Grußworten der abwesenden Vereinsmitglieder und Hinweisen zur Organisation der Tagung.
Gastvortrag
Der erste Tagungsordnungspunkt war der Gastvortrag von Herrn Dr. phil. Sandor Krause vom EDGM (Erstes Deutsches Genealogiemuseum) in Essen.
Das Museum in Essen-Überuhr wird von ihm selbst geführt und bietet Anfängern und Fortgeschrittenen Hilfen für die eigenen Forschungen. Vorgestellt und beschrieben werden die unterschiedlichen Visualisierungen in der Ahnenforschung, wie z.B. Ahnentafeln, Sanduhrdiagrammen oder Stammfolgen und Quellengruppen, wie z.B. Familienstammbücher, Grabsteine oder Urkunden und deren Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten.
Herr Krause wies darauf hin, dass Genealogen auch diverse Hilfswissenschaften für ihre Forschungen nutzen sollten. Das Museum geht z.B. auf die Siegel- (Sphragistik) und Schriftkunde (Paläografie) ein, liefert Hinweise zur Namenskunde (Onomastik) und Zeitkunde (Chronologie).
Forschende, die über die üblichen Quellen wie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der Standesämter und Kirchenbücher nicht weiterkommen, können sich über weitere Quellen wie z.B. Familienstammbücher, Grabsteine, weitere Urkunden informieren.
Neben der Sichtung der Informationen im Museum selbst, bietet Herr Krause auch Exkursionen mit genealogischem Hintergrund in Essen an, unterstützt beim Transkribieren und Übersetzen von Schriften.
Im zweiten Teil des Vortrags stellte Herr Krause einige seiner Forschungsergebnisse vor. Das Museum hat einen umfangreichen Bestand an Kirchenbüchern aus Mülheim, die von Herrn Krause ausgewertet wurden. Die ältesten Kirchenbücher stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Kirchspiele bestanden aus sehr vielen, teilweise recht großen, Ortschaften, was zu umfangreichen Büchern führte. Eine weitere Besonderheit besteht in der über große Zeiträume sehr knappe
Dokumentation der kirchlichen Handlungen. Es sind nicht immer alle Beteiligten in den Eintragungen erwähnt, was die Genealogie erschwert. Bezüge zwischen Heirats- und Geburtseinträgen sind nicht immer einfach herzustellen und Herr Krause ging in seinem Vortrag darauf ein, wie er mit dieser Problemstellung umgeht.
Im folgenden Programmpunkt hatten die Anwesenden Gelegenheit zum Austausch und der Recherche in einigen vom Verein bereitgestellten Schriften, Büchern und Karten. Herr Sielaff und Herr Goitowski nutzten die Gelegenheit und stellten Urkunden vor, die bisher nicht vollständig transkribiert werden konnten. Zusammen mit den anderen Teilnehmenden konnten die offenen Fragen schnell geklärt werden.
Ausflug nach Minden
Nach der Mittagspause fuhren die Tagungsgäste dann nach Minden, um dort an einer Führung im dortigen Preußen-Museum teilzunehmen. Im Rahmen des interessanten und unterhaltsamen Rundgangs in einer fast 200 Jahre alten Defensionskaserne gab es vielfältige Informationen über die Aktivitäten der Preußen auf See und die Versuche des Königreiches, Kolonien aufzubauen und Forschungsexpeditionen zu organisieren.
Abends führte der Verein die obligatorische Mitgliederversammlung durch, in deren Verlauf der Vorstand über die Vereinstätigkeiten der vergangenen 12 Monate, die finanzielle Situation und die geplanten Aktivitäten für den nachfolgenden Berichtszeitraum berichtete.
Am Sonntag stellte Herr Sielaff in einem Vortrag neue Erkenntnisse seiner Forschungen zum Thema „Höfe und Familien der Altbüdner in Altschlawe“ vor.
Die Zuhörenden erfuhren zunächst etwas über verschiedene Berufsbezeichnungen, die man in Altschlawer Unterlagen findet:
Altbüdner
Die Forschungen in Altschlawe zeigen die Regel, dass es sich hier um einen Büdner handelt, der bereits vor der Bauernbefreiung (ab ca. 1807) seinen Titel hatte.
Neubüdner
Im Gegensatz zum Altbüdner hat der Büdner seinen Status erst nach der Bauernbefreiung erhalten.
Lasswirtschaft
Dieser Begriff bezeichnet das wirtschaftliche Verhältnis zwischen dem Grundbesitzer und dem Bauern. Kennzeichnend war ein jederzeit vom Grundherrn kündbares Nutzungsrecht (Lassrecht) der Höfe.
Anschließend ging es um die Unterschiede zwischen den Bauern, Kossäten, Käthnern und Büdnern. Diese Bezeichnungen sind zumindest in Altschlawe etabliert. In anderen Gegenden wurden und werden abweichende Schreibweisen und Worte für diese Begriffe verwendet.
Nach dieser Begriffsklärung ging Herr Sielaff näher auf die Alt- und Neubüdner in Altschlawe ein. Er wies u.a. darauf hin, dass die Akten zur Generalverpachtung des Rügenwalder Amtes vielfältige Informationen, z.B. in Mühlenlisten, Prästationstabellen liefern.
Am Beispiel eines Kathenbriefes eines Hofes der Familie Mademann erläuterte Herr Sielaff, dass diese Quelle aufzeigt, wem der Hof gehört, wie das Haus beschaffen ist und auch das Umfeld (der Garten) wird beschrieben.
Nach Gründung eines Büdnerhofes hatte der Büdner drei Freijahre, in denen er keine Abgaben zu entrichten hatte. Der Begriff der Freijahre wird teilweise auch in Akten (Prästationstabelle o.ä.) erwähnt und kann eine Hilfe bei der zeitlichen Eingrenzung der Hofgründung sein.
